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Der Lichtaufgang


Manchmal geht einem ein Licht auf. Man denkt, dass das, was man vor einer Sekunde dachte, von besonderer Bedeutung ist. Dass man etwas verstanden hat, eine Verbindung schaffen konnte zwischen zwei einzelnen Punkten A und B.
Dieses Gefühl des aufgehenden Lichtes ist unheimlich wichtig. Es schüttet, ähnlich wie Schokolade, Glückshormone aus und schenkt uns neue Motivation und Energie.
Ich genieße diese Momente, in denen mir ein Licht aufgeht, durch sie werde ich befreit aus einer Unwissenheit, einem Unverständnis, dem sogenannten " Im Dunkeln tappen".
Auch wenn dieser Moment selten ist, und nur sehr kurz andauert, so bin ich doch immer wieder aufs Neue dankbar für die neue Erkenntnis, welcher Art sie auch sei. Das wiedererkennen vermeintlich schon mal gesehener Gesichter, das Verstehen schwieriger Sätze in Fachbüchern und so fort.
Es gibt unzählige Situationen dieser blitzschnellen Erkenntnisgewinnung im Gehirn, und es geht Millionen von Menschen täglich ein Licht auf.
Doch woher stammt eigentlich die Redewendung: "Mir geht ein Licht auf"?
Ich sehe einen Zusammenhang dieser Aussage zur Bibel. Dort heißt es: "Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und die da saßen am Ort und Schatten des Todes, denen ist ein Licht aufgegangen" (Matthäus 4,16).
Es gab also eine helle, lichte Erscheinung, die den Menschen erschien (erscheinen>Zusammenhang zu scheinen, Licht scheint), und ihnen zu Orientierung verhalf. Denn, wer "im Dunkeln tappt", hat Schwierigkeiten, einen Weg zu sehen. Sowohl im wörtlichen, als auch im übertragenen Sinne.
Es gibt in der deutschen Sprache auch eine passive Art des Licht aufgehens. Man findet sie in der Redewendung "Jemandem ein Licht aufstecken". Wem ein Licht aufgesteckt wird, der gelangt nicht selbst zu einer bestimmten Erkenntnis, sondern ihm wird dabei von außen geholfen. Ihm werden "die Augen geöffnet" für ein Licht, sodass ihm ein Licht aufgehen kann, d.h. er ist fähig, ein Licht zu erblicken.
Bei der Geburt "erblickt der Mensch das Licht der Welt". Nun ist es so, dass ein Kind, das geboren wird, mit seinen Augen den optischen Reiz "Licht" wahrnimmt. Doch darüberhinaus weise ich diesem Satz auch noch eine weitere Bedeutung zu. Das Kind kommt in einer neuen, ihm unbekannten Welt an. Es wird mit einer neuen Situation konfrontiert, von einem anderen Dasein in eine neue Welt gebracht. Das Licht ist also eine Sache, deren Existenz weiter zurückreicht, als das Kind bestätigen könnte. Das Neugeborene würde die Existens des Lichts der Welt, unseres Daseins, vermutlich abstreiten, weil sich ihm erst durch die Geburt dieses Licht zeigt. Mit der Geburt erfährt das Kind also erstmals von der Existenz unserer Welt, und das ist das Licht, das es erblickt.
Erst wenn das Kind ein paar Dinge gelernt hat, und sich das eigenständige Denken entwickelt, das Kind beginnt, Fragen zu stellen, werdem ihm nach und nach Lichter aufgehen.
Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene, die besonders schnell Zusammenhänge erkennen können, und sehr verständig sind, nennt man in der Umgangssprache "Schnellzünder" oder "Leuchten". Ihnen geht sehr schnell und ohne Mühe ein Licht auf, oder besser gesagt viele Lichter.
Der Unterschied zwischen dem elektrischen Licht und dem Licht, das einem aufgeht (auch: Geistesblitz), ist: Ersteres lässt sich mit einem Lichtschalter anknipsen, und letzteres geht dann auf, wenn es an der Zeit ist. Eine Verbindung zum Sonnenaufgang? Möglich!

1 Kommentar 7.1.09 17:50, kommentieren

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